Glossar

Lexikon / Glossar: Cissexismus

Cissexismus bezeichnet eine gesellschaftliche Struktur und Praxis, die auf der Annahme basiert, dass das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht eines Menschen seine Geschlechtsidentität und -ausdruck bestimmt. Diese Annahme führt dazu, dass Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt (cisgender oder cisgeschlechtlich genannt), gesellschaftliche Privilegien genießen, während trans*-Personen, deren Geschlechtsidentität von der bei der Geburt zugewiesenen Identität abweicht, diskriminiert werden.

Cissexismus äußert sich in verschiedenen Formen der Abwertung, Ausgrenzung und Gewalt gegenüber trans*-Personen. Dies kann sich in der Verweigerung von rechtlichen Anerkennungen, dem Fehlen angemessener medizinischer Versorgung, Diskriminierung am Arbeitsplatz, physischer und verbalen Gewalt sowie in der marginalisierten Darstellung in den Medien äußern.

Im Gegensatz zur individuellen Transphobie, die sich auf individuelle Vorurteile und Diskriminierung bezieht, betont Cissexismus die strukturelle Verankerung des Zweigeschlechtersystems in der Gesellschaft. Es unterstreicht die systemische Benachteiligung und Ausgrenzung von trans*-Personen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität und hebt hervor, wie diese Diskriminierung in Institutionen, Gesetzen, sozialen Normen und kulturellen Praktiken verankert ist.

Es ist wichtig zu betonen, dass Cissexismus nicht nur trans*-Personen betrifft, sondern auch die gesamte Gesellschaft beeinflusst. Indem er das Zweigeschlechtersystem aufrechterhält und die Vielfalt von Geschlechtsidentitäten unterdrückt, schränkt er die Freiheit und Autonomie aller Menschen ein, unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität.

Quelle: LSBTIQ-Lexikon, Bundeszentrale für politische Bildung


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