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m vorherigen Beitrag habe ich Euch ausführlich über meine Anfahrt zur Trans*Tagung in München und dem anfänglichen Chaos vor Ort berichtet. Natürlich war das noch lang nicht die komplette Tagung. Wäre auch etwas verwunderlich, schließlich besteht so eine Veranstaltung aus mehr als nur einer Anreise und einer Anmeldung. Deshalb werde ich den Faden nun, nach der freudigen Nachricht der letzten Tage, wieder aufnehmen und mit meinen Erfahrungsbericht zur “TransTagung München 2016 – Teil 2” weiter machen. Ich wünsche Euch nun also ganz viel Spaß mit dem Programm des ersten Tages. Es beginnt ein wenig seltsam, aber lest selbst.

Da standen wir also – völlig planlos und verwirrt vor dem geänderten Programm der Tagung. Was waren wir begeistert. Vor allem lagen auf einmal zwei Workshops parallel die eigentlich hinter einander geplant waren. Jegliche Vorbereitung im Vorfeld war also für die Katz. *seufz* Warum das so war sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall musste ich mich spontan für einen der beiden entscheiden und ich wählte “Hormone – Erfahrungsaustausch”. Denn ein wenig mehr Informationen und Wissen in diesem Bereich mitnehmen kann nie schaden.

Hormone – Erfahrungsaustausch

Wir ließen also Trans* at Work” sausen, was rückblickend vielleicht ein großer Fehler war, und irrten mit unseren Koffern zum Workshop für “Hormone – Erfahrungsaustausch” durchs Tagungsgebäude. Gepäck bei so einer Veranstaltung mit sich führen ist ein Traum – ein Albtraum. Wir konnten aber erst um 14.00 Uhr ins Hotel. Was total frustrierend war. Also hieß es Zähne zusammen beißen und durch. Ein Glück, dass der Raum in dem der Workshop stattfinden sollte noch fast komplett leer war – so konnten wir uns entspannt einen Platz für uns und unsere Koffer suchen und noch ein wenig die Ruhe genießen.

Doch es dauerte nicht mehr lange und die Sitze füllten sich. Viel schneller als gedacht war dann schon kein einziger Sitz mehr frei. Die Leute strömten aber immer noch. Es wurde geschoben, gedrückt, neu bestuhlt und sich teilweise hingestellt. Weil eben einfach kein Platz mehr war. Fakt ist der Raum war einfach viel zu klein gewählt für den Andrang an Menschen. Unter dem Motto “machen wir einfach das Beste daraus” ging es dann aber trotzdem schon los.

Zumindest hätte es so sein sollen. Doch Pünktlichkeit bzw. das akademische Viertel ist einigen wohl völlig unbekannt. So verwunderte es dann nicht, dass der Workshop bis 9.45 Uhr immer wieder extrem gestört wurde, weil noch jemand meinte sich in den völlig überfüllten Raum zu quetschen. Okay, der Workshop war eh nicht so toll. Aber sollte man nicht, wenn man schon viel zu spät dran ist einen Workshop einfach ausfallen lassen? Es bringt doch einem selber nichts mehr..

Aber jetzt zurück zum eigentlichen Thema des Workshops – “Hormone und Erfahrungsaustausch”. Es stellte sich leider für mich sehr schnell heraus, dass sich dieser in eine vollkommen falsche Richtung und damit zu einem “Flop” entwickeln würde. Nicht weil es keine Fragen der Anwesenden gab, sondern viel mehr weil man beschäftigt war die richtigen Worte zu finden. Schließlich hätte sich ja jemand verletzt fühlen können, wenn man von Transfrau / Transmann oder ähnlichen Dingen spricht. Ganz ehrlich ? Meiner Meinung ! Es ist sowas von unsinnig und das völlig falsche Forum! Es waren alles Erwachsene Menschen mit ähnlichem Hintergrund im Raum. Wer in diesem Kreis nicht über so etwas stehen kann ist einfach fehl am Platz. Klar gibt es Begriffe die nicht toll oder veraltet sind, man muss aber nicht auf alles rumreiten, vor allem wenn es gar nicht das Thema des Workshops war.

Es war auch längst nicht das einzige Problem. So wurde im Workshop mehr oder weniger direkt – die freie Selbstbestimmung der Einnahme der Hormone gefordert. Sorry, aber so wie das da gelaufen ist geht das gar nicht! Ich bin und bleibe der Meinung, dass Hormone immer nur unter ärztlicher Kontrolle genommen werden dürfen. Eine Selbstmedikation halte ich einfach für zu gefährlich und verantwortungslos, wenn andere dazu ermutigt werden. Wir haben nur ein Leben und fahrlässig damit umzugehen ist nicht zielführend. Gott sei dank war ich mit meiner Sichtweise nicht ganz allein.

Und damit komm ich dann schon zum Hauptproblem des Workshops un das waren die hochkochenden Emotionen und verbalen Auseinandersetzungen. Es kann nicht sein, dass sich beteiligte so unterhalb der Gürtellinie und in so einem Ton torpedieren, dass man sich frag man wäre in irgendeiner Talkshow bei den privaten Fernsehsendern gelandet. Gerade von der Person die den Workshop leitet hätte ich in diesem Bezug mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Das dann jemand gefrustet den Raum verlässt war nur noch konsequent.

Fazit: Der Workshop hat mir keinerlei Erkenntnisse über meine Hormone etc. gegeben. Klar es wurde vereinzelt ein paar Fragen ein wenig erörtert, viel mehr fand aber auch nicht statt. So dass ich froh war, dass der Workshop zu Ende ging und ich diese Erlebnis schnell hinter mir lassen konnte. Ein frustrierender Start in meine erste Trans*Tagung.

Trans* Prozess Gutachten, Medizin. Weg

Ein Workshop den ich mir auch hätte schenken können. Schließlich war ich zu dem Zeitpunkt mit meinen Gutachten durch und mich erwartet “nur noch” der medizinische Teil. Aber es war dennoch interessant so hören und zu erfahren wie falsch und lückenhaft die Informationen der Anwesenden waren. Es war schon fast gruselig, wie hartnäckig sich einige Dinge halten. Sei es erzwungener Alltagstest von 12 Monaten für die Freigabe der Hormone bis zur Scheidung bei Vornamens- und Personenstandsänderung. Es war einfach alles dabei.

In Zeiten von Internet und Selbsthilfegruppen ist das eigentlich doch arg verwunderlich. Hat niemand mehr den Ehrgeiz sich selbst schlau zu machen oder vertrauen sie blind auf die Äußerung anderer ? Vielleicht erwarte ich auch zu viel. Auf jeden Fall hat der Vortragende, selbst mit trans*-Hintergrund und Gutachter es gut gemacht. Er hat versucht alle Fragen so gut wie möglich zu beantworten und ist individuell auf den Einzelnen eingegangen.  Und ich habe für meinen Blog auch etwas mitgenommen. Ich werde eine Seite erstellen die die beiden Wege rechtlich und medizinisch nochmal genauer beleuchtet. Vielleicht hilft es dann doch dem Ein oder Anderen sich selbst ein Bild zu machen.

Fazit für mich bleibt aber. Außer ein kurzweiliges Gespräch ist nichts geblieben. Es war einfach schön zu sehen, dass es auch besser geht als der Workshop vorher. Daher Danke.

Mittagspause und Hotel

Endlich Mittag – Endlich Ruhe … bei strahlendem Sonnenschein und dem Essen der veganen Foodtrucks konnte man es wirklich aushalten. Es war eine kleine Entschädigung für den katastrophalen Start am Morgen und vor allem, konnten wir uns endlich auf dem Weg zum Hotel  machen um unsere Koffer los zu werden. Irgendwie war das schon wie auf der Flucht. “Blackwitch on the run” – Das Hotelzimmer selbst war spartanisch und furchtbar kalt.  Mir war gar nicht mehr bewusst wie niedrig “normale” Betten sind … aber egal, es sollte schon für die nächsten zwei Nächte gehen. Für den Preis kann man ja auch nicht viel erwarten.

Unser Ausflug ins Hotel kostete mich allerdings den Besuch im Workshop “Liebe, was du bist” – Den ich zu gern besucht hätte. Doch wir kamen zu spät wieder zurück zur Tagung und ich wollte erstens nicht durch einen anderen Workshop laufen und zweitens hätte ich den vermutlich nur gestört. Also hieß es erneut eine Runde die Sonne genießen. Als Anmerkung vielleicht noch für die Zukunft, wenn es der Veranstalter liest. Bitte das nächste mal den Zugang zum Mehrzweckraum nicht über die Feuertreppe, sondern über das normale Treppenhaus. Lieber den stille Bereich woanders und dafür die Zugänge einfacher, als quer durch andere Veranstaltungen. So war das ein klares (-) .. Alleine für Besucher mit Geh-Behinderungen war die Feuertreppe ein NoGo!

Feminines Stimmpassing – Vortrag

Nach der längeren Pause und der Erholung bin ich dann voll motiviert in den Workshop für das feminine Stimmpassing gegangen. Leider war schnell klar, dass ich den praktischen Workshop am nächsten Morgen nicht besuchen werde, da einfach viel zu viele Besucherinnen sich für die Thematik interessierten, es aber nur zehn Plätze am nächsten Tag gab. Bei ca. 60 Zuhörern ist die Chance mitmachen zu können dann doch eher gering. Gut dass ich noch eine Alternative hatte.

Ansonsten war der Workshop mehr als in Ordnung… Sowohl informativ als auch akustisch machte die Vortragende einen Überzeugenden Eindruck. Wobei ich immer noch nicht weiß, ob es wirklich was für mich ist. Ich bin da immer noch hin und her gerissen. Lebe ich mit meiner Stimme oder gehe ich es doch mal mit Logopädie an. Eine Operation werde ich nach dem Vortrag definitiv nicht machen. Es ist mir einfach zu riskant und ich habe auch keine 6.000,- Euro um mal eben nach Korea zu fliegen. Ergo bleibt nur das arrangieren oder trainieren.

Das Fazit vom Vortrag war aber ebenso ernüchternd. Ich bekam nur das bestätigt, was ich schon vorher gewusst habe. Das Beste wäre es, sich YouTube Videos zum Thema anzuschauen und es einfach nach zu machen. Die Vortragende hat es selber so gemacht und gebe nur ihre Erfahrungswerte damit weiter, weil es wohl teilweise schwer ist nach zu vollziehen. Umso wichtiger wäre für mich also der eigentliche praktische Workshop gewesen. Na ja, vielleicht irgendwann einmal. Jetzt dann doch mal eine Test-Sitzung bei der Logopädie und wenn es mir nicht gefällt dann lass ich es.
Schließlich hat sich noch niemand über meine Stimme, die ich nicht verstelle, beschwert. Es kostet eben auch weniger Kraft einfach so zu sein wie man ist.

Party – Nummer 1

Am Abend wollte ich dann eigentlich auf die kleine Party von der Tagung – Was sich dann allerdings als sehr seltsam erwies. Es war einfach so wie auf jeder “normalen Party” in einem Club. Die Frauen bewegten sich ausgelassen auf der Tanzfläche und die Männer standen sich klammernd an ihrer Bierflasche am Rand. Lustig wenn man denkt wie der Hintergrund bei vielen und wie stereotypisch das Verhalten doch ist.  Nun gut, die Musik war eh nicht meine Sache und so unterhielten wir uns in einer kleinen Gruppe vor der Tür.

Was mir irgendwie auch am meisten gebracht hat, wenn ich den Tag rückblickend betrachte. Nicht die Workshops oder Vorträge waren für mich das Wichtige, sondern einfach die Interaktion mit den Anderen. Leider hat es sich zwar nur auf den kleinen Kreis beschränkt den ich schon vorher kannte aber es tat wirklich gut zu merken, wie “normal” ich dann doch eigentlich bin. Vor allem das die genau die gleichen Probleme haben wir ich selber.

Mit gemischten Gefühlen sind wir dann in einer kleinen Gruppe in Richtung Hotel, so dass ich bereits um kurz nach 22.00 Uhr ins Land der Träume entschwand. Gespannt was der nächste Tag bringen würde.

Liebe Grüße
Blackwitch

p.s. Ich hoffe nun endlich wieder mehr Luft zum Bloggen zu haben. Auch wenn ich gerade anfange meine neuen Papiere zu organisieren.